Das Paradies auf Erden….

Es wird höchste Zeit sich zurückzumelden! Ich bin wieder da! Ich bin sogar schon seit 1 Woche wieder im Weltmeisterland, allerdings hatte ich mir als Reisesouvenir eine schöne Sommergrippe aus der Türkei mitgebracht, die mich eine weitere Woche ausser Gefecht gesetzt hat. Mittlerweile habe ich aber wieder die Oberhand über meine Gesundheit und meine angesammelten Mails bekommen, und kann sogar wieder die Farbe meiner Schreibtischunterlage erkennen… Höchste Zeit die Tür zu meinem Blog wieder aufzuschließen und zu schauen, was ihr in der Zwischenzeit so angestellt habt.

Ihr wollt wissen, wie mein Urlaub war? Schön und erholsam war es, obwohl das Hotel eine herbe Enttäuschung war. Die Besitzer müssen noch eine Menge lernen, um die 5 Sterne über dem Eingang zurecht tragen zu dürfen. Ihr wisst ja, dass ich seit ein paar Monaten auf KH in meiner Ernährung verzichte, das heisst allerdings nicht, dass ich weniger anspruchsvoll geworden bin, was meinen Geschmack betrifft. So brauchte ich auch nicht lange, um zu erkennen, dass die Qualität der Speisen unterirdisch war, und nahezu jedes Gericht in Fett schwamm oder es war der einfachheit halber gleich der Friteuse entsprungen. Formulieren wir es mal so: Wer sich gerne 2 Wochen von Hamburgern, Chicken Nuggets, Pommes und fettigem Fleisch ernährt, wird sich in diesem Fall dort ausgesprochen wohl fühlen. Einzige Bedingung: Ihr steht auf Plastikteller und Besteck an der Poolbar, und ihr findet es irre gemütlich und romantisch in einem Speisesaal zu dinnieren, in dem eine permanente Lautstärke von 100dB heerscht. Steht ihr dann noch gerne in einer kilometerlangen Schlange an, um Euch diese vermeindlichen Köstlichkeiten auf den Tellern zu laden, müsst ihr Euch dort wie im Paradies fühlen. Wem das noch nicht reicht: Die ca. 2000 Menschen dort drängeln und schubsen auch gerne, somit kann man seinen Rückweg mit beladenem Teller gleich als eine Art Hindernisparcours verstehen, um sich diebisch zu freuen, wenn nach der Rückkehr an den Tisch noch alles auf dem Teller ist, was man sich vorher draufgepackt hatte. Mit ganz viel Glück hatte der Kellner auch schon ein Glas auf den Tisch gestellt, und an besonders guten Tagen, handelte es sich sogar um den bestellten Inhalt, ansonsten hatte man wenigstens etwas zu trinken. …..

Um diesem Wahnsinn zumindestens morgens aus dem Weg gehen zu können, bin ich in diesem Urlaub jeden Tag um 06:30 aufgestanden. In der Türkei ist es dann bereits 07:30 und damit nicht mehr ganz so unchristlich früh. Mit Putenbrustaufschnitt und Rührei konnte ich mir ganz gut aushelfen, um zumindestens ein wenig im Magen zu haben – da ich um die frittierten Köstlichkeiten an der Poolbar einen riesigen Bogen gemacht habe. Nevertheless: Ich weiß nicht, wann ich in diesem Leben wieder in der Lage sein werde, Melone und Rührei zu essen… aber irgendeinen Tod stirbt man eben immer…

Am ersten Tag lag ich dann noch relativ relaxt, wenn auch stark beengt (es gab keinen Platz zwischen den Liegen – warum auch…so passen dann ja noch etwas mehr nebeneinander) auf einer Liege am Pool und war in mein erstes von 8 Büchern vertieft, als ich um 10 Uhr fast vom Schlag getroffen wurde. Ich will hier kein falsches Bild erwecken: Ich habe nichts gegen ein wenig Animation, und ich komme auch auf Nana Mouskouri´s „Guten Morgen Sonnenschein“ klar, (11 verdammte Tage) aber eine Horde von Animateuren und unzählige zum  fremdschämen animierende Urlauber beim Clubtanz zu beobachten (6 mal am Tag) war bei leibe kein schöner Anblick. Ich denke dieses Lied hat in mir einen Schläfer geweckt…solche Aggressionen spüre ich sonst eher selten, denn von Natur aus bin ich ein eher ausgelicherner Mensch.

Ein paar Stunden später wurde meine Aufmerksamkeit wieder auf das Animationsteam gelenkt: Zumba! Moment mal: Hat die grade ZUMBA gerufen? Wie geil ist das denn? Nichts wie hin da! Bis ich den Standort des Ereignisses ausmachen konnte, hatte die Gruppe sich bereits in Bewegung gesetzt…. Und ich habe nach ein paar Blicken den Rückweg zu meiner Poolliege angetreten. Für den Weg habe ich wahrscheinlich ebenso viele Kalorien verbraucht, wie die für ihre gesamt Zumba-Einlage, (habe den Umweg über die Poolbar gemacht, um meine Enttäuschung mit einem Gin Tonic zu besänftigen) die mich schwer an einen Ententanz erinnert hat. Hätte die Geschwindigkeit gestimmt, dann hätte ich trotzdem mitgemacht *schwör* aber für Seniorensport zu rhythmischer Zumbamusik, bin ich definitiv noch nicht alt genug. Was soll ich sagen: Der Crosstrainer hat sich als Zumbaersatz ganz ganz gut geschlagen, wobei ich nicht darüber nachdenken möchte, wie unleidlich ich ohne diese Maschine geworden wäre…….

Wer jetzt von Euch denkt: Boah….die hat Probleme. So schlimm hört sich das doch gar nicht an. DOCH! Und ich habe mit genügend Urlaubern gesprochen, die das ganz genauso gesehen haben. Darunter war auch eine Familie mit 2 Kindern, die auch nach mehrmaligem Betteln trotzdem nur 3 anstatt 4 Badetücher bekommen haben. Die Minibar wurde immer dann aufgefüllt, wenn die Putzfrau einen guten Tag hatte, und es war bestimmt auch nur eine optische Täuschung, dass in der Pooltoilette 3 Tage lang eine Haarklammer auf dem Boden hinter der Tür in exakt derselben Position lag. Nur ein notorischer Meckerpott würde hier auf die Idee kommen, dass man es mit der Sauberheit eventuell nicht ganz so eng nimmt, oder? Seht ihr? Alles prima!

Mein abolutes Highlight war aber der freundliche Angestellte aus dem SPA Bereich! Nachdem ich eine Zeit lang abgewogen habe, ob es die 60€ wirklich wert sind, das Hotelzimmer für weitere 6 Stunden *hüstel* zu behalten, habe ich mich dagegen entschieden, immerhin hat mir der freundliche Mann an der Rezeption gesagt, dass die Duschen im SPA Bereich selbstverständlich jederzeit genutzt werden können, bevor der Bus zum Flughafen mich möglichst schnell und weit von diesem „Paradies auf Erden“ (O Ton Chef Animateuer mit dem grenzdebilen Namen „Hasi“) wegbefördern wird. Bis zur abendlichen Dusche waren aber nun noch ein paar Stunden Zeit, die man wirklich noch am Pool verbringen könnte, wenn man nicht seine sämtlichen Wertsachen (Pass, Autoschlüssel, Tab, Handy etc.) mit sich rumschleppen müsste, da man ja bereits um 12:00 aus dem Zimmer auschecken musste. Durch den engen Kontakt zum Crosstrainer bin ich jeden Tag durch den SPA Bereich gelaufen und so fielen mir die Schließfächer in der Damenumkleide wieder ein! Perfekte Lösung! Da in diesem SPA Bereich nie etwas los war, und ich deswegen immer darauf bedacht war, mich schleunigst an den gaffenden Blicken der Mitarbeiter in Sicherheit zu bringen, die dort anscheinend nur zur Dekoration rumstanden….. Gesagt getan. Auf dem Weg nach draussen kam ein SPA Mitarbeiter auf mich zugerauscht:

Haben Sie eingeschlossen?

Say what? (Ja, so bin ich eben. Die Geschichte mit dem Echo und dem Wald)

Sie haben eingeschlossen Tasche?

Ja, hab ich.

Das geht nicht. Fragen Sie müssen. Mich oder Rezeption.

Ist das so?

Ja – sie fragen müssen!

Kollege, in dem Raum sind 100 Schließfächer, und jetzt sind in Summe 2 davon belegt.

Kommen heute 100 Gäste in SPA!

Ja – genau! Ich denke sie sollten lieber mit 200 rechnen. Ist hier ja sonst auch immer tiiiiiersch was los hier.

Aber sie müssen fragen.

WAS WOLLEN SIE JETZT VON MIR?

Sie fragen müssen oder ich sage Rezeption Bescheid.

Top! Ich gehe jetzt an den Pool und sie können zur Rezeption, dann haben wir beide einen Auftrag.

 

Ich habe ihn dann dort stehen gelassen. Geht’s noch? Es wundert mich immer weniger, dass der SPA Bereich so schlecht besucht wurde, aber das grenzte schon Schikane. So! Die Blonde lass´ ich jetzt mal stramm stehen, aber nicht mit mir. Blödmann.

Ich könnte jetzt noch von den 2 super Schaumparties berichten, die eine ganze halbe Stunde dauerten, oder von der schlechten WM Party, die keine war, oder von dem Animateur, der 10 Minuten auf mich eingeredet hat, dass ich etwas positives bei Holiday Check schreiben soll…… aber ich denke, dass ich es für heute gut sein lasse. So ein schlechter Mensch bin ich dann ja auch nicht! Immerhin habe ich über ihn geschrieben, nur nicht bei Holidaycheck.

Noch nicht…..

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Yen To See Distant Places

 

Welcome at the Beach

Welcome at the Beach

Darf ich Euch heute mal kurz entführen? Ich bin gedanklich schon zwischen bunten Gewürzen, schlecht imitierten Textilien und eiskaltem EFES Bier. Ihr ahnt wo die Reise hingeht, oder? Genau: Wir befinden uns in der Türkei. Eigentlich muss ich nur noch meinen ebook-reader neu bestücken, und dann kann es los gehen. Falls ihr noch einen Buch-Tipp für mich habt: Bitte immer her damit! Meine gute Fee hat mir gestern bereits ein Buch empfohlen, das auf jeden Fall im Urlaub gelesen wird: „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, da das aber doch recht traurig ist, wäre ich für ein paar heitere Vorschläge offen, ich kann mir bessere Dinge vorstellen, als heulend auf meiner Sonnenliege von irritieret-dreinschauenden Miturlaubern mitleidig angesehen zu werden.

 

Taurus Gebirge

Taurus Gebirge

Worauf freue ich mich denn besonders? Auf jeden Fall auf das Taurusgebirge, das mit einem Mietwagen immer einen Besuch wert ist. Ok, ich sterbe jedes Mal tausend Tode in den klapprigen Kisten, denn im Gebirge gibt es nunmal weder feste Strassen, noch die dementsprechende Seitenabgrenzung. Ich muss meine Privatsphäre ja leider ein wenig schützen, sonst hätte ich Euch gerne ein Foto von mir präsentiert, dass mich mit weitaufgerissenen Augen im Mietwagen zeigt, aber ich denke ihr seid kreativ genug, um Euch das auch so vorstellen zu können.

 

Es gibt ein absolutes Highlight im Gebirge: Der Dimcay Fluss. Kristallklares Gebirgswasser und Forellen. Man muss gar nicht sehr weit ins Gebirge fahren, um Restaurantes zu finden, die über den Fluss Brücken gebaut haben, auf denen man sich es in Lounges gemütlichen machen kann. Während man eine frischgefangene Forelle ißt, baumeln die Füsse im Fluss. Ich liebe diesen Platz wirklich abgöttisch.

Dimcay

Dimcay

Wenn man dem Flußverlauf weiter nach oben folgt wird man mit einem herrlichen Ausblick belohnt. Immer wieder faszinierend finde ich auch den Staudamm, der Alanya mit Wasser versorgt. Es sieht völlig schräg und unwirklich aus, wie Mitten aus dem Gebirge eine 135m hohe Staumauer ragt. Ein Wahnsinn, den das menschliche Auge kaum erfassen kann. Fern ab vom Tourismus ist mir dieser Ort im Gebirge besonders ans Herz gewachsen.

Basar

Basar

Ich freu mich auf die verschiedenen Basare. Die Gewürze, Teppichhändler, die farben und Gerüche. Ich freue mich allerdings nicht auf die nervigen Schlepper, die einen auf sehr penetrante Art und Weise in ihre Läden reinziehen wollen, aber ich habe einen ziemlich überzeugenden „ich-werde-Dich-töten-wenn-Du-mich-noch-mal-anquatscht-Blick“ drauf und verstehe den im Notfall auch einzusetzen.

Altstadt

Altstadt

Und wenn man dann durch die Altstadt von Antalya geschlendert ist, (UNESCO Weltkulturerbe) und den Hafen von Antalya vor sich hat, fühle ich mich irgendwie immer ein wenig nostalgisch. Ich liebe diese kleinen Cafés und Teegärten, in denen man mal kurz verschnaufen kann.

Hafen

Hafen

Lange ist es jetzt nicht mehr hin. Dann kann ich wieder den türkischen Himmel erkunden, der Nachts so wunderschön aussieht und mich jedes Mal wieder zum Träumen einlädt…..bald….

Turkish Nights

Turkish Nights

Zurück in die Steinzeit

Als ich mich vorhin durch meinen morgendlichen Newsfeed gelesen habe, ist mir die Schlagzeile über Erdogan´s neuste Entgleisung unter die Augen gekommen…..Erdogan scheint sich  immer mehr von demokratischen Denkansätzen zu verabschieden,  und islamisiert weiter munter vor sich hin. Sein neustens Hirngespinst ist es, keine gemischten Studeten WGs mehr zuzulassen. Seine Begründung: „Dies entspricht nicht unserem konservativem Demokratieverständnis“ Hä? Widersprüchlicher könnte er sich gar nicht ausdrücken, er verwechselt hier anscheinend Demokratie mit Diktatur……

Wie kann man es sich in der heutigen Zeit anmaßen, seinem Volk vorzuschreiben, wer mit wem zusammenleben darf? Religion hin oder her. Jeder hat das Recht selber zu entscheiden, woran er glaubt, mit wem er lebt und wann  (und mit wem) er  Sex hat. Erdogan stellt es ja geardezu so hin, als wenn türkische Studenten in Sodom & Gomorra leben würden, dabei  sind gemischte WG´s in der Türkei eine Ausnahme und längst nicht an der Tagesordnung – was unterschiedliche Gründe hat.

Meiner Meinung nach sollte er sich dafür einsetzen, dass in der Türkei mehr Studenwohnheime gebaut werden, so kommen automatisch weniger Studenten auf die „böse Idee“ mit einem nicht gleichgeschlechtlichen Mitbewohner zusammen zuziehen. Ausserdem gibt es in der Türkei schon immer die Haltung, Wohnungen nur an verheiratete Partner zu vermieten – muss man da jetzt wirklich noch einen oben drauf setzen und bestehende Wohngemeinschaften polizeilich kontrollieren lassen? So ist es zumindestens schon geschehen, und die weiblichen Studenten mussten jeweis  ein Bußgeld in Höhe von 32€ bezahlen, da sie um 1 Uhr nachts noch Besuch von 2 männlichen Kommilitonen hatten. Warum die 32€? Ganz einfach – sie haben die öffentliche Ordnung gestört! Da fällt einem doch gar nicht mehr zu sein. Wie kann man in seinen gemieteten 4 Wänden die öffentliche Ordnung stören? Ich würde es eher so sehen, dass die Grundrechte dieser Menschen mit Füßen getreten worden sind, wie sonst nennt man eine Wohnungsdurchsuchung ohne entsprechende Durchsuchungserlaubnis. Wie würdet ihr euch fühlen, wenn es bei euch klingelt und auf einmal 30 Polizisten vor der Tür stehen, die einfach Deine Wohnung durchsuchen.

Was hätten die Studenten wohl bezahlen müssen, wenn einer von ihnen gerade aus der Dusche gekommen wäre, oder wenn die tatsächlichen Sex gehabt hätten. In flagrantie von der Polizei erwischt. Dann wären sie wahrscheinlich direkt erschossen oder zumindestens festgenommen worden. Da kann man doch nur mit dem Kopf schütteln.

Aber auch vor den bereits bestehenden Wohnheimen macht er nicht halt, diese sollen künftig ebenfalls nach Geschlechtern getrennt werden.  Die Studentenwohnheime der Kredi Wohnanstalt an der Ägäis Universität wurden bereits in Jungen- und Mädchenwohnheime umfunktioniert.

Wenn Erdogan mit diesem Wahnsinn auf Wahlkampf geht und sich somit Stimmen für die anstehenden Wahlen im März 2014 erhofft, sollte er wohl auch damit rechnen, dass sich immer mehr Türken gegen ihn stellen. Hoffentlich mit Erfolg!