Warum ich eine Sirene bin oder Horoskope manchmal stimmen (müssen)

Wehe einer von euch kommt auf die Idee mir dieses Horoskop madig zu machen. Ihr könnt euch sofort auf dem Absatz umdrehen, wenn sich auch nur ein „aber“ in eure Gedanken schleicht. SOFORT!

Also fangen wir mal mit meinem Tageshoroskop an:

In Sachen Beruf und Finanzen haben Sie heute viele Trümpfe auf der Hand. Warum wollen Sie das Blatt nicht voll ausspielen? Na bitte! Kompromisse müssen die anderen eingehen, nicht Sie. Und dass Vorgesetzte Ihnen aus der Hand fressen, kommt auch nicht alle Tage vor. Nur auf eines müssen Sie achten, nämlich auf eine klare und realistische Betrachtungsweise.

Volltreffer! Ich hatte heute mein Beurteilungsgespräch für das letzte Jahr. Keine Angst, ich habe meinem Vorgesetzten nicht die geöffnete Hand, mit ein paar M&Ms darauf, hingehalten – so eine bin ich nicht (nicht immer) – der fand mich auch ohne Bestechungen super. Die klare und realitische Betrachtungsweise fehlt mir im Job auch nicht, dafür im Privatleben ab und an 😉 Ihr kennt das.

Kontakte:

Wassermann-Ladys, die sich auf Männerfang befinden, haben nach einem kleinen Rückschlag endlich Oberwasser. Als Sirene wirken Sie schließlich sehr beeindruckend. Wahrscheinlich hat Ihre überlegene Art Ihren Traummann nur ein bisschen unsicher gemacht.

Männerfang? Ich doch nicht! Nie… Also bitte! Aber den Teil mit der überlegnen Art, den nehme ich gerne mit! Mein absolutes Highlight ist aber der Teil mit der Sirene. Was soll also diese Woche noch schief gehen. Ich bin damit jetzt die weibliche Chuck Norris. Da steht es: schwarz auf weiß!

Erotik

Die Sterne bieten Ihnen jetzt das kosmische Erfolgsprogramm: Lebenslust und Erotik versüßen Ihnen die Woche. Außerdem wird Mars noch eine rasantere Gangart einlegen. Da nehmen Sie selbst die letzte Bastion noch im Sturm. Sie entpuppen sich jetzt als wahre Verführerin.

Wir hatten uns doch schon im Eingang darauf geeinigt, dass hier kein „ja, aber“ kommt? Gut! Ich wollte es nur nochmal als kleinen reminder rein ääähm nachschieben! So und jetzt die Frage: Wann genua kommt dieser Mars? Ich will schneeeeeller… wir haben heute immerhin schon Mittwoch, deswegen sollte er sich langsam mal beeilen. Kann irgendjemand dem Mars nochmal stecken, wie ungeduldig ich bin – vielleicht beeilt er sich dann etwas mehr und kann seine Sirene in die Arme schließen.

 

Hey – vielleicht sollte ich mein Horoskop doch öfter lesen – immerhin weiß ich ja, wie ich damit umzugehen habe 😉

Warum Hor(r)oskope immer stimmen

Gestern kam hier das Thema Horoskope auf den Tisch, und was unser Horoskop 2014 für uns bereithält. Ich mag keine Horoskope, denn irgendwie passen die hinterher immer. Ich glaube zwar an das Schicksal, und dass alles irgendwie im Leben so kommt, wie es kommen muss, aber ich glaube nicht daran, dass sich ein Pressehoroskop mir viel über meine Zukunft sagen kann. Warum ich das denke? Weil es so ist. Pressehoroskope sind nun mal keine Astrologie, weil sie sich nicht auf die einzelne Person bezieht, da zu einem „seriösen“ Horoskop ebenfalls die Geburtszeit und der Geburtsort vorliegen muss. Ich glaube aber auch nicht an seriösere Quellen der Astrologie, da es sich hier um keine Wissenschaft, sondern um Aberglauben handelt. Pressehoroskope beschränken sich nur auf eine Tendez, die ein Sternzeichen aufweist.

Wie das mit den Tendezen ist, sehen wir ja alle bei der Wettervorhersage. Die Meterologen sind auch nur in der Lage das Wetter für maximal 5 Tage mehr oder weniger genau vorauszusagen. Wobei es bei Tag 1 noch 90% Wahrscheinlich ist und die Genauigkeit beim übernächsten tag liegt dann nur noch bei 80% usw. Wenn also studierte Meterologen nicht in der Lage sind, dass Wetter vorherzusagen, wie soll dann die Vouge wissen, wie mein komplettes kommende Jahr wird und das fast auf den Montat genau?

Dann muss man sich auch mal kurz fragen, WER denn überhaupt diese ganzen Hor(r)oskope schreibt. Man würde jetzt eventuell annehmen, dass die Vogue, Freundin, Hörzu, Cosmo und wie sie alle heissen, alle einen Astrologen beschäftigen, oder nicht? Das stimmt aber leider auch nicht, denn die meisten Printmedien erhalten ihre Horoskope von Medienagenturen, die im besten Fall ihre Daten wirklich von Astrologen bekommen, und diese dann nach bestimmten Prinzipien ausschmücken, damit sich darin jeder wiedererkennt. Wenn es ganz blöd läuft steht gar kein Astrologe dahinter, sondern einfach nur der Praktikant oder eine Stern-affine Mitarbeiterin, die die goldenen Regel zur Horoskop „Herstellung“ beheerscht.

Nur mal zum Spaß habe ich mir mein Jahrehoroskop aus der Vouge vorgenommen, um mal zu sehen, ob das so in etwa hinkommt. Also los!

1. Keine klaren Zuordnungen verwenden, sondern immer ausweichend umschreiben, am besten auch gegensätzlich, dabei möglichst viele Konjuktive einbauen.

Haben Sie mitbekommen, dass man sich für eine Mars-Mission bewerben kann, die in den 2020er Jahren starten soll? Ohne Rückflug allerdings. Wäre es nicht trotzdem wundervoll, in eine neue Welt aufzubrechen und alle irdischen Zwänge hinter sich zu lassen?

Was denn jetzt? Soll ich mich auf den Mars schießen lassen, oder lieber doch nicht? Dabei weiß doch jeder wie abenteuerlustig Wassermänner sind. Es wäre total wundervoll auf dem roten Planeten festzusitzen, auf dem ich weder atmen kann, noch Wasser bekomme….

2. Sehr allgemeine Begriffe verwenden. Personen, Chancen, Entscheidungen, die man auf unzählige Bereiche im Leben projizieren kann: Alltag, Familie, Beruf.

Statt hochfliegenden Träumen nachzujagen, folgen Sie lieber den Anweisungen eines Lifescripts, in dem alles wie am Schnürchen läuft und überraschende Inszenierungen auf den 1. April beschränkt sind

Das stimmt zu 100%. Ist ja eine Überraschung. Wer es total super findet, wenn nichts im Leben und Alltag seine Ordnung hat, der möge bitte laut „hier“ schreien!

3. Mehrdeutigkeit & Relativität

 Egal auf welchem Kontinent, früher oder später wird man Sie 2014 ans Ruder rufen. Kneifen ist verboten und Panik gänzlich überflüssig: Wohin die Reise auch gehen und wie stürmisch die Fahrt auch sein mag, Neptun, der Finanzminister unter den Planeten, wird ab August für jede Menge schwarzer Zahlen auf Ihren Kontoauszügen sorgen.

Schönes Beispiel, oder? Ein Textbaustein, der ein wunderschönes Paradebeispiel bietet! Da haben wir erstmal die Mehrdeutigkeit: Egal wo – gefolgt von der Relativität: früher oder später. Dann wieder Mehrdeutigkeit: „Wohin die Reise auch hin geht“  gefolgt von der „Relativität“ wie stürmisch die Fahrt auch sein mag… Eins schwöre ich: Sollte ich im Augst zu Geld kommen, werde ich es euch als erstes verraten!!!

4. Kommen wir zu den Sprichwörtern, die dürfen nämlich niemals in einem Horoskop fehlen:

 Was Ihr privates Glück betrifft, werden Sie noch früher Land sichten, und zwar spätestens ab Mai, der diesmal tatsächlich das Zeug hat, Ihr persönlicher Wonnemonat zu werden. Vorausgesetzt, Sie sind so kühn, auch auf dieser Lebensebene zu neuen Ufern aufzubrechen. Gestatten Sie sich getrost ein gewisses Maß an Blauäugigkeit, und setzen Sie ruhig wieder einmal die gute, alte rosarote Brille auf.

Da muss ich nichts mehr zu schreiben, oder? Das ist ein Absatz VOLL von Sprichwörtern und allgemein, bekannten Weisheiten, Phrasen & Metaphern…..

5. Möglichst hochtrabende Astrologische Begriffe und Konstellationen verwenden.

Verantwortlich dafür, dass Sie aus der Komfortzone gescheucht werden, sind spannende planetarische Konstellationen: So sorgt der nördliche Mondknoten im neunten Haus dafür, dass Sie Ihren Horizont nachhaltig erweitern werden.

Ich frage mich gerade, wieso eigentlich ausgerechnet im 9. Haus? Egal – ist also auch drin.

6. Den Leser mindestens einmal persönlich ansprechen! So schafft man Nähe und Vertrauen.

Sie sehen endlich ein, dass Sie im Grunde Ihres Herzens doch über Pioniergeist verfügen. Keine Angst!

Das nennt man doch umgangsprächlich auch positive reinforcement. Ich soll mit einem guten Gefühl darin bestärkt werden, dass alles toll wird. Man wird in keinem Horoskop lesen, dass man sich am besten direkt im Januar einen Strick nehmen sollte, denn das Jahr wird immer schlechter verlaufen, bis wir im Dezember schließlich unerwartet von einer schweren Krankheit befallen werden und das nächste Jahr unter keinen Umständen erleben werden.

Ich musste etwas suchen, aber ich konnte mich daran erinnern, dass es mal ein ganz aussagekräftiges Experiment im Zusammenhang mit der Seriösität von Horoskopen gab. Der sogenannte „Barnum-Effekt“ oder Täuschung durch persönliche Validierung. Ein Professor händigte seinen Studenten eine Persönlichkeitsanalyse aus. Somit dachte jeder Student eine individuelle Ausfertigung erhalten zu haben. Das stimmte aber nicht, denn sie bekamen alle ein und dasselbe Exemplar auf den Tisch 🙂 :

„Sie brauchen die Zuneigung und Bewunderung anderer, dabei neigen Sie zu Selbstkritik. Zwar hat Ihre Persönlichkeit einige Schwächen, doch können Sie diese im allgemeinen ausgleichen. Sie haben beträchtliche Fähigkeiten, die brachliegen, statt dass Sie sie zu Ihrem Vorteil nutzen. Äußerlich diszipliniert und kontrolliert, fühlen Sie sich innerlich ängstlich und unsicher. Mitunter zweifeln Sie ernstlich an der Richtigkeit Ihres Tuns und Ihrer Entscheidungen. Sie bevorzugen ein gewisses Maß an Abwechslung und Veränderung, und Sie sind unzufrieden, wenn Sie von Verboten und Beschränkungen eingeengt werden. Sie sind stolz auf Ihr unabhängiges Denken und nehmen anderer Leute Aussagen nicht unbewiesen hin. Doch erachten Sie es als unklug, sich anderen zu freimütig zu öffnen. Manchmal verhalten Sie sich extrovertiert, leutselig und aufgeschlossen, manchmal auch introvertiert, skeptisch und zurückhaltend. Ihre Wünsche scheinen mitunter eher unrealistisch.“

Die Studenten sollten diesen Text lesen und anschließend bewerten, in wie weit der Inhalt auf den einzelnen Studenten zutrifft. Dabei sollten die Studenten von 0 (trifft gar nicht zu) bis 5 (trifft sehr gut zu) bewerten. Das Ergebnis? Der durschnittliche Studen antwotete mit 4,26!

Das Experiment wurde bis heute schon unzählige Male wiederholt, soweit bekannt, war der Wert am Ende jeder Gruppe noch nie deutlich unter 4 – aber nevertheless: wenn Euch die Horoskope Spaß machen, dann habt auch Spaß damit, denn darum geht es ja schließlich im Leben!