Erwachsen? Kann ich! Nicht!

Je älter ich werde, desto mehr bemerke ich Eigenschaften an mir, die ich früher schrecklich spießig fand, und eigentlich immer noch finde. Es gibt wirklich erschreckend viele Gelegenheiten in denen ich Wörter raushaue (heutzutage, damals < um nur einige zu nennen), die ich früher so unsagbar schlimm fand, dass jeder Erwachsener, der solche Wörter benutzte unweigerlich um weitere 10 Jahre für mich gealtert ist. Ein kostenloses Peppa Upgrade von „nur alt“ auf „steinalt“.

Und heute? Sitze ich hier und gebe sogar die ganz, ganz bösen Dinger von mir:

Früher war alles besser!

Mit der dazugehörigen Portion Dramaqueen, die unbestritten in mir wohnt muss ich natürlich „ALLES“ und nicht nur „manches“ schreiben. Jetzt überlege ich, ob ich steinalt geworden bin, und es gar nicht gemerkt habe, oder ob ich irgendwie falsch erwachsen geworden bin. Gab es bei mir einen  technischen Defekt, der verhindert hat, dass ich zum echten Erwachsenen geworden bin? Es gibt nämlich unzählige Anzeichen dafür, dass ich zwar nach aussen als steinalt durchgehen könnte, allerdings wirkt es fast etwas wie eine natürliche Tarnung, die verhindert, dass ich als großes Kind enttarnt werde.

Wie sollte ich es anders entschuldigen, dass mein Kleiderschrank noch immer so aussieht, als wenn ich grade noch meinen Schulranzen (schööönes altes Wort) in die Ecke gepfeffert hätte, um danach den Stapel frisch gewaschener Wäsche, irgendwie in selbigen zu buxieren? Dabei muss man natürlich möglichst schnell sein, und die Türen schließen, denn sonst kann es passieren, dass mir ein anderer Stapel wieder entgegenfällt.

Ich habe es mit den Jahren auch nicht gelernt, dass man leere Harrspray Dosen direkt mit aus dem Badezimmer nimmt, sondern ich warte grundsätzlich erst bis ich es zu einer stattlichen Sammlung von mindestens 3 leeren Haarspraydosen geschafft habe, bis ich mich dazu durchringen kann, diese entsprechend zu entsorgen. Keine Sorge – ich bin kein Messie, davor schützen mich meine Aufräumflashs, die ich als Kind immer meiner Mutter zu verdanken hatte, wenn diese die Schnauze gestrichen voll von meinem Chaos hatte. Heutzutage (da ist es wieder) höre ich bei diesen Aktionen weniger ihre strenge Stimme in meinem Kopf, sondern eher meinen PMS bedingten Hormonhaushalt, der mich dann anbrüllt und fragt: „Sach ma – muss das hier so aussehen?“ Anschließend sind dann  alle T-Shirts und Jeans nach Farben sortiert nebeneinander aufgestapelt, was dann für eine Woche anhält, wenn es gut läuft…….

Es kann auch ein plötzlicher Kälteeinbruch über Deutschland einbrechen, ich hätte für mindestens 3 Wochen immer ein Paar Hello Kitty Socken in meinem Schrank. Die sind, dank dem IKEA Pax System auch relativ schnell zu finden. Tolle Erfindung, diese Schubladen im Kleiderschrank – somit fliegen nur meine Jeans und Shirts in ungleichmäßigen Stapeln durch die restlichen 3 Meter.

Im Moment sind KH zwar tabu, aber sonst kann es in der Tat sein, dass ich mit nem Lolli im Mund durch die Gegend laufe und ein Superman T-Shirt trage, alles in allem hört sich das nun wirklich nicht steinalt an, und wenn ich den ein oder anderen Blick in das Zimmer einer 14 jährigen schweifen lasse, stelle ich fest, dass ich irgendwo dazwischen liege, weil ich zumindestens die Notwendigkeit verstanden habe, meine Sachen nicht wild verstreut auf dem Boden zu liegen zu lassen. Somit schöpfe ich doch noch Hoffnung, dass ich irgendwo auf der Welt, als zumindestens halbwegs vernünftige Erwachsene durchgehe, die nur ein Problem mit Schränken und Schubladen hat.

Was ich allerdings von früher wirklich deutlich besser in Erinnnerung behalten habe, war das zwischenmenschliche Verhätnis mit unserem Umfeld, deswegen werde ich mein Verhalten in dieser Hinsicht auch nicht verändern. Egal, ob es nun als erwachsen oder kindlich eingestuft wird.

Wenn es jemanden in meinem Umfeld nicht gut geht, dann mache ich es wie schon im Kindergarten. Ich lege meinen Arm um die Person, und fragen wo der Schuh drückt. Mit virtuellen Armen funktioniert das im Übrigen auch recht gut. Mir fällt aber eine Sache grade im WWW immer wieder auf: schreibst Du lustige Dinge, machst Witze oder gibst Dich cool und unnahbar, finden Dich alle klasse. Zeigst Du aber Schwäche, oder es geht Dir einfach nicht gut, wird das ganz oft ignoriert. Schwäche zeigen ist eben unsexy und uncool. Finde ich im Übrigen ganz und gar nicht, ich finde das einfach nur menschlich. Aber das Internet scheint einige Leute echt zu emotionslosen Krüppeln verkommen zu lassen.

Wir haben früher kleine Liebesbriefe geschrieben, Zettel verteilt und uns Briefe geschrieben. Im jetzigen Zeitalter schreiben wir Tweets, What´s App Nachrichten, Blogeinträge und posten in Sozialen Netzwerken unseren Staus an irgendwelche Wände. Wenn nur jeder mal nach links und rechts guckt, hin und wieder mal nachfragt, und echtes Interesse an seinen Mitmenschen zeigt, dann sollten wir das doch auch in Zukunft gut hinbekommen, dass diese Netzwerken ihren „sozialen“ Aspekt nicht gänzlich verlieren, oder?

So – und jetzt verteile ich noch ein paar Herzchen, Knuddeleinheiten und Smileys in meiner Twitter Timeline, genau so wie sich das für eine steinalte Erwachsene gehört!

Ich wünsche Euch morgen einen schönen Feiertag!

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16 Gedanken zu “Erwachsen? Kann ich! Nicht!

  1. Ich denke nicht, dass es überhaupt „Erwachsene“ gibt. Also, das Gefühl dahinter. Natürlich, als erwachsen gilt man ab 18 oder 21. Aber das ändert nichts an der Seele. Wir werden nur um Erfahrungen reicher, mehr nicht. Früher schaute ich immer zu Erwachsenen auf. Die wissen, wie man mit was umgeht. Aber das stimmt nicht. Je älter ich werde, desto eher wird mir bewusst, dass es keine Erwachsenen gibt. Wir können uns noch so cool, allwissend etc geben, aber im inneren sind wir immer noch Kinder.
    Der Grund, warum wir immer sagen „damals“ oder „früher war alles besser“ ist doch ein einfacher: wir denken da eigentlich immer an unsere Kindheit und Jugend zurück. Damals war für uns alles einfacher, die Probleme die uns damals zwar schwerwiegend erschienen sind, sind heute ein Klacks. Kindheit und Jugend war die Zeit des Neuem. Was weiß ich, technische Innovationen. Es war alles neu und gut. Das Gefühl, das wir mit „damals“ verbinden ist deshalb ein Gutes. Und darum sagen wir, dass früher alles besser war. Für uns war es das.
    Ich bin froh, dass ich mit meinen zarten 21 Jahren diese Phase noch nicht erreicht habe. Und wenn sie kommt, bin ich vorbereitet.
    Und soll ich dir ein Geheimnis verraten? Wenn ich mal nicht einschlafen kann, hör ich Bibi Blocksberg. (Ja, ich habe alle Folgen auf MP3 CD!) Es erinnert mich an schöne, sorglose Kindheitstage (wobei ich absolut nicht verstehe, warum ich so denke, denn das waren meine Kindheitstage definitiv nicht!) Und ich schäme mich überhaupt nicht dafür. Alles, was gut tut, ist gut. Oder so.
    In diesem Sinne: verliere nie das Kind in dir! Es hilft uns, diese Welt zu ertragen und das Schöne darin zu sehen.
    Liebste Grüße,
    Deine Frau Schmitt

    • Das beweist wohl auch, dass wir nie wirklich wissen, was wir tun 🙂 Der Gedanke ist irgendwie tröstlich 🙂
      Rückblickend betrachtet habe ich früher gedacht, dass man als Erwachsener alles wissen muss. Es sah ja auch immer so aus, als wenn Erachsenen für jede Frage die passende Antwort hatten. Immerhin glauben wir als Kinder zumindestens alles, was Erwachsene uns sagen. Bei Dingen wie dem Weihnachtsmann und dem Osterhasen finde ich das auch gar nicht verkehrt, denn Kinder verlernen diese Eigenschaften, wie total unbesorgt und unbedarft an alle Dinge ranzugehen, viel zu schnell.

      *hexhex*
      Ja – da kann ich mich auch noch gut dran erinnern. Ich kenne viele Leute, die sich das noch zum Einschlafen anhören. Von TKKG bis Die 3??? ist alles mit dabei. Wieso auch nicht. Es wirkt wohl deswegen so beruhigend, weil wir uns so viel damit beschäftigt haben, und weil diese Geschichten auch immer ein Happy End haben.

      Das Kind in mir bleibt! Versprochen. Dann fliegen wir auf Baldrian zusammen zur Walpurgisnacht 🙂

      Liebste Grüße zurück, an meine verehrte Frau Schmitt!
      Deine Frau Pfeffer

      • Ach kann ich mich noch gut daran erinnern, wie ich meinen Vater ein Loch in den Bauch gefragt habe. Ich hatte solche Schübe des „alles-wissen-müssens“. Ich hab natürlich alles geglaubt was er gesagt hat. Aber jetzt ist mir klar, dass er auch damals viel nicht wusste.

        ECHT ECHT?? Ich dachte ich wär die Einzige die das tut? Aber das ist doch sehr tröstlich 🙂 Nerven tuts mich aber dann, wenn ich in meinen Träumen hexe und es im echten Leben nicht funktioniert 😉

  2. In meinen Augen spricht nichts dagegen, dass man tief drinnen immer Kind bleibt, sich den jugendlichen Leichtsinn erhält und trotzdem an erwachsener Reife, Lebenserfahrung gewinnt. Man weiß zwar dann, dass das was man gerade tut/vorhat eigentlich total „unerwachsen ist“ – eigentlich!! – aber hey, scheißegal, es macht Spaß! Man hört nie auf Grenzen auszutesten, der Neugier nachzugeben und sich selbst zu überschätzen. Wenn man hinfällt, muss man eben wieder aufstehen. Die Kunst ist, obwohl man an „erwachsener Weisheit“ zulegt, sich Dinge wie in Phantasiewelten eintauchen und dabei die Umwelt vergessen, die Lust am entdecken, spielen, die kindliche Neugier, die Vorurteilslosigkeit gegenüber anderen, die Fähigkeit anderen offen die Meinung zu sagen, ohne an die Folgen zu denken und die unverkrampfte Art, auf andere zuzugehen, die nur Kinder haben, zu behalten.
    Oder um es mit Erich Kästner zu sagen: „…Lasst euch die Kindheit nicht austreiben! Schaut, die meisten Menschen legen ihre Kindheit ab wie einen alten Hut. Sie vergessen sie wie eine Telefonnummer, die nicht mehr gilt. ihr Leben kommt ihnen vor wie eine Dauerwurst, die sie allmählich aufessen, und was gegessen worden ist, existiert nicht mehr … Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt, ist ein Mensch…“

    Schönen Feiertag dir morgen, hast du ein verlängertes Wochenende? Hier ist nichts mit Feiertag und langem Wochenende, sondern arbeiten, viel viel Arbeit. Aber dafür habe ich Freitag ein hoffentlich spannendes Date mit Mr. X.
    :* *drück dich*

    • Wie Recht Du hast, liebe Bella. Menschen die immer und überall nur bierernst sind, und einen ständig dafür tadeln, dass man auch mal nachts nochmal ins Meer gehen möchte, weil man dann ja die Steine nicht sieht, werden in ihrem Leben nicht mehr viel Neues entdecken.
      Traurig eigentlich…wahrscheinlich enden diese Menschen genau aus diesem Grund verbittert und vergrämt, weil sie tief im Herzen wissen, was sie alles verpasst haben. Wenn die Wurst alle ist, dann ist die Wurst alle? Nicht mit uns 😀

      Dankeschön! Ich habe ein verlängertes WE und den Brückentag am Freitag genutzt, so dass ich erst am Montag wieder ins Büro muss.

      Ich wünsche Dir, dass die Arbeit Dir zumindestens einfach von der Hand geht. Ich möchte alle Einzelheiten über das Date mit Mr. X, das ist logisch und muss ich gar nicht erwähnen, oder? 😉

      :* *drückzurück*

      • Dann wünsch ich ein entspanntes langes WE, Prinzessin. Mach es dir nett und tu dir was Gutes! Hier ist am Montag Feiertag. Ich werde natürlich berichten wie sich Mr. angestellt hat 🙂

  3. Ach du steinalte Dramaqueen, ich finde erwachsen werden und erwachsen sein, sind verschiedene Dinge. Erwachsen wird man in Form des Wachstums, also in die Höhe oder auch in die Breite 😉 erwachsen sein ist eine subjektive Angelegenheit. Also von der Form des Wachstums – sprich Höhe bin ich erwachsen,(Breite lassen wir hier mal weg) aber ich habe trotz meines biblischen Alters eine gewisse Kindlichkeit, Infantilität, Kindisch sein, Spontanität usw. bewahrt. Es gibt Tage, da fühle ich mich alt, an anderen könnte ich mit meiner Tochter in die Summa summarum, es ist wichtig etwas Kindheit auch im „steinernen Alter“, wo du dich gerade befindest, festzuhalten und hin und wieder zu leben, es ist sooooooo erfrischend.
    Los, räum deinen Schrank endlich auf, sowas aber auch tzzz
    Schönen Tag für dich.
    Sadie

    • 😀 Ach Sadie! Du hast immer so schöne Vergleiche. Zumindestens kann ich sagen: Ich bin erwachsen – ausgewachsen! Solange ich nicht in der Nachbarschaft durch die Gegend renne und Klingelstreiche mache, sollte ich auf der sicheren Seite sein. Spaß bei Seite: Natürlich verstehe ich wie Du das meinst. Ich werde mein möglichstes tun, um mir immer etwas von meiner kindlichen Art zu bewahren, ich glaube da müsst ihr keine Bedenken haben!

      Dir auch einen schönen Tag & liebe Grüße Peppa

      PS: Das mit dem Schrank wird wirklich mal wieder Zeit. 🙂

  4. erwachsen werden? Hm – im Job klar – da wiegt meine Berufserfahrung schwer. Aber privat? Nee – oder wieso sieht es bei uns immer aus wie bei Hempels unterm Sofa? Völlig erwachsen werden können alle werden – bloß ich nicht.
    LG
    Wibi

    • Das denke ich jeden Morgen, wenn ich mich vom Bett ins Bad geschleppt habe. Zum Glück, können wir hier und da etwas tricksen, aber unsere Falten erzählen ja auch unsere Lebensgeschichte und gehören zu uns dazu. Einen schönen Wochenstart wünsche ich Dir!
      Liebe Grüße
      Peppa

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