Warum es keine schwulen Fussballspieler gibt

Auf dem Weg zur Arbeit hörte ich von dem britischen Teenie- Idol und Sportler Tom Dayley, der 2009 als jüngster Weltmeister in seiner Sportart „Wasserspringer“in die Geschichte Englands einging. Er ist in England ein Super-Star, ein Vorbild und ganz einfach gesagt: Everybody´s Darling. Diesen Kerl liebt dort jeder und nun outet er sich und bekennt in einem von ihm ins Netz gestellen Video: Ich liebe einen Mann!

„Im Frühling dieses Jahres hat sich mein Leben verändert, und zwar sehr. Ich habe jemanden getroffen, der mich so glücklich gemacht hat, der mir Sicherheit gegeben hat. Es fühlte sich großartig an. Und dieser jemand – war ein Mann. In einer idealen Welt würde ich dieses Video nicht machen, weil es egal sein sollte.“

Wir leben aber nicht in einer idelaen Welt. War sein Schritt mutig? Auf jeden Fall! Hat er sich damit wirklich einen Gefallen getan? Die Frage kann ich nicht beantworten, allerdings dürfte er ein gutes Stück erleichterter sein, sich nicht mehr verstecken zu müssen bzw. den andauernden Tuscheleien und Gerüchten ein Ende zu machen.

Und während sich Leute (mich mit einbezogen) fragen, warum die Politik gleichgeschlechtlichen Ehepartner nicht endlich ALLE Rechte geben, die für heterosexuelle Paare selbstverständlich sind, mache ich mir zusehens Sorgen um unsere Fussballspieler. Kennt ihr einen schwulen Fussballspieler? Nein? Ich auch nicht! Ich hätte da ein paar Vermutungen, aber geoutet hat sich von denen noch niemand. Überhaupt gibt es wenige Sportler, die sich bisher geoutet haben. Werfen wir einen Blick über den großen Teich: NBA Star Jason Collins outete sich dieses Jahr. Im April hatter er in einem Interview mit der „Sports Illustared“ bekannt gegeben, dass er homosexuell ist.

„Ich bin ein 34 Jahre alter NBA-Center. Ich bin schwarz. Und ich bin schwul“

Was passierte dann? Seine Kollegen überschlugen sich und beglückwünschten ihn zu seinem Outing und seinem mutigen Schritt! Selbst Obama griff sofort zum Hörer, um ihm mittzuteieln, wie stolz er auf ihn sei, und dass es ein Zeichen dafür wäre, dass Leute nur nach ihren Leistungen beurteilt werden und nicht nach ihrer sexuellen Orientierung. Ach ja? Nach diesem Outing hat der NBA-Spieler keinen neuen Vertrag bekommen. Damit war er der erste (!!!) homosexueller Sportler der vier nordamerikanischen Profiligen, und wahrscheinlich auch der Letzte, denn solche Aussichten machen keinen Mut.

Wo wir direkt wieder zu den deutschen Fussballer kommen, denn denen wird auch wenig Mut gemacht, sich in der Öffentlichkeit zu outen. Ganz im Gegenteil wird ihnen nahe gelegt: Outing ja – aber bitte erst am Ende der Saison, damit es bis zum Start der nächsten Saison doch hoffentlich schon wieder in Vergessenheit geraten ist. Offiziell heisst es natürlich etwas schicker: „die mediale Halbwertzeit einer solchen Neuigkeit wäre bis zum Beginn der neuen Spielzeit wieder verflogen“ Say what?  Schwule Männer spielen keinen Fußball! Punkt! Man kann doch keinem schwulen Spieler zujubeln, wie steht man denn dann da – als echter Mann?

So raten Fußballer wie Tim Wiese und Philip Lahm schwulen Spieler sogar komplett von einem Outing ab. Wem nützt das jetzt also? Den richtig harten Kerlen, die in den meisten Fällen mit dem Zugeständnis um die Ecke kommen, dass die Spieler ja schwul sein können, aber das doch bitte nicht öffentlich machen sollen, weil sie es nicht wissen wollen. Immerhin geht es beim Fussball nur darum, dass Runde ins Eckige zu bekommen. Ich hoffe, dass bei dieser Spezies Mann zumindestens irgendwo ein wenig Licht am Ende des Tunnel(blicks) auftaucht…(und wahrscheinlich sind es eben diese harten Kerle, die mit dem ganzen Schwulenzeugs nichts zu tun haben wollen und sich am Ende des Tages einen Lady-Boy in die eheliche Wohnung bestellen, oder wie war das in Wirklichkeit, Herr E.? Darüber dürfen aber nicht mal mehr schweizerische Zeitungen schreiben. Was nicht sein soll – gibt es auch nicht. So einfach ist das.)

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15 Gedanken zu “Warum es keine schwulen Fussballspieler gibt

  1. Ach, Peppa. In manchen Bereichen unserer Gesellschaft kommt so ein Outing einfach zu früh. Man(n) mag es sich einfach nicht vorstellen, dass diese Sportidole nicht dem Idealbild der amerikanischen Gesellschaft folgen: Frau, Kind, Haus, ordentliches Bankkonto. jHätte so ein Sportpromi noch drei Frauen nebenbei laufen, würde das noch eher akzeptiert werden als die monogame Liebe zu einem Mann. So ist das und wird sich auch so schnell nicht ändern!

    • Hätte er noch 3 Frauen nebenbei laufen, wäre er der Ober-Checker. Würde das eine Frau machen, wäre sie eine Schlampe. Gut das wir alle so aufgeschlossen sind.
      🙂 200.000 Jahre ist ja eine recht überschaubare Zeit, mal gucken, ob es nochmal so lange dauert… LG Peppa

  2. Ich verstehe es auch nicht. Liebe ist Liebe. Warum für manche gleichgeschlechtliche Liebe nicht Liebe ist.. ach das geht mir nicht ein, und es macht mich soo wütend und traurig.
    Die wohl größte Verwirrung, was dieses Problem anbelangt hat mir die Linke Szene gegeben – die, die LGBT groß schreiben. Was mir aber dabei aufgefallen ist, ist dass da zwar ebenso Männer dahinterstecken – aber hier nur die Frauen verteidigen, ermutigen, bestärken, die so leben wollen. Ich kenne einige Frauen dieser, nennen wir sie mal LGBT Szene, die das auch so leben. Die nicht das Inbild einer Frau sind, die lieben, wen sie wollen, die sich keinen gesellschaftlich vorgeschriebenen Sexualitätsnormen unterwerfen wollen. Aber, ich kenne keinen einzigen Mann, der einen Mann liebt. Keinen. Einzigen. Das verwirrt mich, macht mich wütend. Denn obwohl hier Mann und Frau von freier Liebe schwafeln, schaffen es wieder nur die Frauen es zu leben – denn für Frauen ist eine Frau zu küssen ja auch gesellschaftlich anerkannt, das ist geil, das sieht man gerne. Schade nur, dass es hier die Männer nicht schaffen sich auch von gesellschaftlichen Normen abzuheben.

    • Hallo Leonie,
      Ich denke nicht mal, dass es einfach die Schuld von den Männern ist, sondern einzig alleine die unserer Gesellschaft. Mann und Frau gehören zusammen, alles andere ist falsch. Und schwupps di wupps sind wir wieder bei leidlichen Thema: Kirche. Die schreien bei dem Thema am lautesten, und was kehren die alles so unter ihre Teppiche? Bäääh! Wir können wohl schon froh sein, dass wir in Deutschland keine Gesetze gegen gleichgeschlechtliche Partnerschaften habe, so wie das in vielen anderen Ländern der Fall ist. Wenn ich ein Mann wäre, würde ich mich auch nicht outen, wenn ich dann um mein Job bzw. um meine Existenz fürchten müsste. Traurig aber wahr.
      LG Peppa

  3. Check mal Dein gmail – Postfach 🙂
    Äääähhh… also ich kenn schon ein paar sich-bekendende Männer mit einem „echten Männer-sport“ oder echten „Männer-berufen“. Schade ist nur, dass die meistens ganz süß sind und wenn sie nicht klischeehaft tuntig sind, erkennt man das als Frau zu spät. Ich habe schon mit 3 schwulen Männern geflirtet, nur um dann zu hören: „Süße… ich steh nicht auf Dich, weil….“

  4. Braucht man denn ein so offizielles Outing? Sollen die Jungs nicht einfach mit ihren Partnern durch die Gegend flanieren, Händchen halten und wenn dann jemand ein riesiges Thema daraus machen will, cool bleiben und sich nicht großartig dazu äußern? Ich glaube, das ist die beste Art und Weise mit dem Thema umzugehen. Heterosexuelle Spieler outen sich ja auch nicht als heterosexuell. Wenn man so tut, als wäre es normal, dann glauben das die Leute auch irgendwann.

    • Sehe ich im Prinzip ähnlich, allerdings ist das leider nicht so einfach in die Tat umzusetzen – wenn es so einfach wäre, würden die Spieler (und nicht nur die) das ja machen. Händchenhaltend mit den Partnern durch die Gegend laufen. Das machen sie ja bewusst nicht, weil sie es verstecken „müssen“! Ansonsten wären wohl schon ein paar homosexuelle Spieler aufgetaucht – dass allerdings Spieler davaon abraten, sich zu outen lässt ja schon tief blicken. Heterosexuelle Spieler müssen sich nicht verstecken – von daher gibt es da auch keinen Grund sich zu outen, die haben dafür ihre Spielerfrau mit Kind im Station sitzen…..

      • Spielerfrauen sollten diejenigen sein, die versteckt werden sollten. Die sind einfach nur peinlich… 😀

        Du hast schon recht. Es ist, wie in deinem Zitat: In einer perfekten Welt, wäre das nicht Thema. Es sollte kein Thema sein, ist es aber leider.

  5. Ich versteh das Problem bei der Sache auch nicht. Sexualität ist Sexualität, solange ich damit niemandem wehtue oder gegen Gesetze verstoße, kann ich meine Sexualität doch ausleben wie, wann und mit wem ich möchte. Über die Politik und ihre Weigerung Homo und Hetero Beziehung gleich zu stellen, rege ich mich schon lange nicht mehr auf. Solange noch Abstimmungen zu diesem Thema negativ ausgehen bzw. es überhaupt Abstimmungen geben muss, wissen wir wenigstens noch in welch traurigen Welt wir leben.
    Schwule Fußballer gibt es mehr als genug, ist ja ein offenes Geheimnis, wenn man sich in den Kreisen bissel bewegt. Ich sag mal so, wenn das aktuelle Gespann an der Trainerspitze der N11 nicht das jetztige wäre, wären manche Spieler im D. Fußball nie da, wo sie jetzt stehen.

    • Hi Bella! Das ein odere andere Gerücht hat man da ja schon des öfteren gehört, was davon alles stimmt oder eben auch nicht, weiss wohl nur ein elitärer Kreis, damit meine ich auch die sogenannten Alibi- Freundinnen. Schade, dass so etwas nötig ist, um seinem Beruf nachgehen zu können bzw. in Frieden leben möchte. LG Peppa

      • Ja schade, aber wenn man das was in einem Fußballstadion so abgeht betrachtet, vielleicht doch wirklich besser so…
        Ich hatte lange Jahre eine Dauerkarte, kenne viele Fans und würde nur einem bestimmten Kreis zutrauen, dass sie schwule Fußballer akzeptieren. Aus diesem Gesichtspunkt, bevor sich der nächste vor den Zug wirft, einfach schweigen. Die Gesellschaft muss sich ändern…

      • Ich glaube man(n) würde sich wundern, wie viele tatsächlich ablehnend reagieren würden, von denen man gedacht hat, dass „die“ bestimmt kein Problem damit haben würden – da gebe ich Dir völlig Recht!

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