Jahresrückblicke und andere Schicksale

Nicht nur das erste Adventswochenende liegt nun schon hinter uns – nein – auch der erste TV Jahresrückblick. Wenn man sich die ausgewählten Themen von Herrn Jauch im Zusammenhang mit den Gästen und deren Gesprächsinhalten mal etwas genauer ansieht, möchte man meinen, dass die Welt gar nicht so böse und gemein ist, wie ich sie sehr oft sehe. Also mal ehrlich, wenn Sylvie van der Vaart Meis es mit ihrer Trennung in einen Jahresrückblick schafft, dann ist eigentlich schon alles klar, oder? Das arme Ding. Da muss man doch auch Mitleid mit haben! Von solchen Frauen können wir alle eine Menge lernen – sogar wie man Fremdgehen rechtfertigt. Der Sex mit einem anderen Mann war nämlich notwendig. So einfach ist das! Also Mädels da draussen: Wenn ihr auch mal mit einem Mann in der Kiste landet, der eigentlich nicht der eigene ist, dann sagt hinterher einfach: Ich wollte nur gucken, ob ich wirklich so abstoßend bin, wie ich dachte, ausserdem wollte der Mann mich von allen Ängsten befreien. Eine große Portion „Sicheres Auftreten bei völliger Sorglosigkeit“ muss dann aber auch vorhanden sein, denn anders kann man nicht erklären, wie man seine Trennung allen ernstes dazu noch als Guerillakrieg bezeichnet. Es soll in Deutschland doch tatsächlich noch andere Frauen & Männer geben, die eine Scheidung durchstehen müssen (hab ich zumindestens mal gehört). Darüber konnte der nächste Gast wohl auch nur müde lächeln, denn hierbei handelte es sich um ein 7 jähriges Kind, dem man in einem ganz realen Krieg das halbe Gesicht weggeschossen hat, und das dabei beide Augen verlor. ..Wie der kleine Mann in dieser Sendung vorgeführt wurde, ist wirklich geschmacklos.

Über den Rest der Gästeschar möchte ich gar nichts mehr schreiben, allerdings konnte man sich die gesamte Show sparen – was wir dann auch gemacht haben…… Das es aber noch Menschen mit Format und Charakter gibt, habe ich gestern morgen in der Wiederholung vom Kölner Treff gesehen. Sicher gibt es auch dort Gäste und Themen, die die Welt eigentlich nicht braucht, dennoch fand ich dort einen Gast erfrischend ehrlich. Jürgen Todenhöfer, der über sein neues Buch „Du sollst nicht töten“ sprach, in dem er eindringlich die unmenschlichen Verhältnisse in den Kriegs- und Krisengebieten schildert, in denen er unterwegs war. So beschrieb er wie gefangengenommene Taliban gefoltert und von Hunden bis zum Tode vergewaltigt wurden. Denis Scheck, der deutsche Literaturkritiker und Journalist kommentierte das Buch so:

„Jürgen Todenhöfer scharfes Plädoyer gegen die Lüge als Vater aller Kriege hat mich überzeugt: Todenhöfer musste als Kind im Zweiten Weltkrieg die britischen Phosphorbombenabwürfe auf Hanau miterleben und überprüft nun in Reisen etwa nach Afghanistan, Libyen, Syrien, Iran, Irak und Gaza, was Krieg für die Menschen dort bedeutet. Den Nato-Staaten liest er dabei kräftig die Leviten: Ihre Kriege seien ein einziges ‚Terrorzuchtprogramm‘ und träfen die Falschen. Der mutigste Satz in diesem Buch:“Das Zentrum des internationalen Terrorismus befindet sich seit langem in Saudi-Arabien.“

Vielleicht ist das aber für „den-am-Sonntagabend-RTL-Zuschauer“ zu schwere Kost oder ich muss mich doch mal wieder bemühen und nach dem Leitbild meiner Firma handeln, die für mich nicht einleuchtende Taten immer damit erklärt, dass ich es einfach global sehen soll !?! Allerdings scheine ich mit meiner Meinung gar nicht so alleine dazustehen, denn selbst der Tatort hatte mehr Einschaltquoten, als Herr Jauch – das ist aber schon wieder ein anderes Thema…

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13 Gedanken zu “Jahresrückblicke und andere Schicksale

  1. Gut, dass es am Fernsehapparat einen Knopf gibt, mit dem man ausschalten kann, liebe Peppa. Allerdings: Wir bewegen uns immer mehr in Richtung Bezahlfernsehen und dann kann endlich Jeder nach seinem Geschmack seine Zeit verplempern…

  2. Wie bitte? Von Hunden bis zum Tode vergewaltigt werden? Ääähhh….. ist das jetzt ein Schreibfehler oder Ernst? Wie geht denn das?
    Ich habe die letzten 6 Tage überhaupt kein TV geschaut… ist manchmal wirklich echt schön den ganzen Schrott auszublenden. So läuft man dann eben etwas blauäugig durch die Welt, aber man verdirbt sich auch nicht sein Denkgut….

    • Das war kein Schreibfehler. 😦 ich mag auch nicht beschreiben, wie das funktioniert, da wird mir nämlich schlecht bei. Grausam zu was Menschen imstande sind. Alleine wenn ich in letzer Zeit Nachrichten sehe… Ob das irgendwelche Typen sind, die sich umbringen lassen, weil sie gegessen werden wollen, oder der kranke britische Sänger, der Säuglinge missbraucht hat. Das kann man sich alles nicht mehr vorstellen…..Vielleicht sollte ich den Flimmerkasten auch mal öfter aus lassen 🙂 LG Peppa

  3. Bei einigen Dingen bekomme ich nur mehr Gänsehaut. Aber wenn man bedenkt, dass
    einer wissenschaftlichen Studio zufolge von 10 Personen eine Person ein Psychopath ist, wovon reden wir dann? Manchmal möchte ich nur mehr wegschauen oder einfach abschalten.
    LG Sadie

  4. Zum Glück habe ich keine Zeit zum Fernsehen. So ein Fernseher kann auch ein schöner Dekogegenstand sein 🙂
    Ich mag Süüüülvi nun wirklich nicht, aber ihre Beweggründe kann ich persönlich schon nachvollziehen. Ob man dies nun öffentlich im Fernsehen ausbreiten und sein Privatleben derart zur Schau stellen muss, steht auf einem anderen Blatt.
    Überfällte Innenstädte *bäähhh* Ich war am Freitag auch in einer mega überfüllten Millionenstadt, ekelhaft…zum Glück pilgern hier die Touristen nur zu den Weihnachtsmärkten, die überall rumgetratscht werden, die anderen bleiben ganz für uns Einwohner *gg*

  5. Hallo Peppa,
    Als Mann weiß ich, dass Rückblicke immer sehr Subjektiv sind – zum Glück. Meine Freundin blickt auch gerne auf meine Verfehlungen zurück, was ja sehr subjektiv ist, weil ich manche dieser Dinge eigentlich für richtig halte. Nicht, dass ich mich trauen würde, ihr das auch zu sagen, aber innerlich steht da manchmal schon ein großes ‚aber‘!

    Diese inszenierten Fernseh – Rückblicke sind aber gar nicht meins, viel interessanter wären doch Ausblicke in die Zukunft. Die Vergangenheit ist hinter uns, vor uns liegt die Zukunft und wenn Merkel gestern gesagt hat, dass es mit ihr keine Pkw-Maut geben wird, so ist das heute völlig aus dem Kontext gerissen, wenn man darauf hinweist, dass genau das jetzt kommen soll.
    Prinzipiell ist der Knopf zum Ausschaltenlten doch meist recht nützlich und wir dementsprechend auch verwendet. Dann schau ich mir lieber ‚Ich, einfach unverbesserlich 2‘ auf DVD an. Da hat man wenigstens noch etwas zu lachen.

    Es grüßt, nach langem Schweigen,
    Flash

    • Hi Flash, manchmal ist es einfach besser zu schweigen, dass kann ich Dir als Frau versichern 🙂 Auch weil wir manchmal sehen können, was ihr denkt, wollen wir es nicht immer hören….
      Bei Politikern läuft es immer nach demselben Schema ab: Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern… DVD kam dann auch bei uns auf den Schirm – Six feet under.
      Ich vermute mal, dass Du in den letzten Tagen keine Gelegenheit hattest mir etwas zu schreiben, ich habe ja nur Rezepte gepostet – solltest Du die anfangen zu kommentieren würde ich mir auch Sorgen um Dich machen 🙂
      LG Peppa

      • Das habe ich nach jahrelangen Fehltritten auch gelernt – ich bin ja nicht komplett lernresistent 😉
        Naja, ich hab natürlich in die Rezepte ab und zu mal reingeschaut, aber du hast schon recht, wenn ich da mal kommentieren sollte, lieg ich wahrscheinlich hungrig in einer Felsspalte und du solltest mir dann dringend etwas zu essen vorbeischicken 😉

        Hoffen wir doch, dass es nicht so weit kommt!

      • 172 Stunden würde ich auch wohl nicht brauchen, um Dir etwas zu Essen zu schicken, von daher sind wir safe 🙂 Lesson learned am Montag – da soll mal jemand sagen „bloggen bildet nicht“ 🙂

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