Der Online-Shopping-Riese

Ich kaufe fast alles online ein – angefangen bei Kleidung, Filmen, CD´s bis hin zu Gewürzen und Saucen, die auf dem Deutschen Markt nicht zu finden sind, und natürlich dürfen die Klassiker wie Büchern und Elektronik nicht fehlen.

So kann auch ich mich als Amazon-Stammkundin betiteln. Unter normalen Umständen erhalte ich meine Ware in tadellosem Zustand direkt in die Paketstation, wo ich sie mir nach Feierabend bequem abholen kann. Bisher hat mich Amazon nur ein mal im Stich gelassen – und das war im Winter vor 3 Jahren. Ich hatte auf den letzten Drücker noch ein paar Geschenke online bestellt, und dann… Dann kam der Schnee. Nichts geht mehr! Rien ne va plus! Da stand ich dann und hatte bis zur letzten Minute gehofft, dass meine Lieferung doch noch pünktlich VOR dem Fest bei mir eintrifft.

Im Laufe des Tages am 23.12 habe ich dann eingesehen: Das wird nichts mehr, und habe mich mit dem Auto auf den Weg in die überfüllte und verschneite Stadt gemacht. Sicher – ich habe auch dort einen Buchladen gefunden, und um die Klassiker unter den Geschenken schnell vollständig machen zu können, konnte ich auch problemlos in der Pafümerie vor Ort gehen. Trotzdem gibt es für mich nichts schlimmeres, als an den Tagen vor Weihnachten in die Stadt zu müssen. Alle Leute sind abgehetzt, drängeln, und wollen einfach nur schnell wieder nach Hause. Einzige Entschädigung ist es hier die Männern zu beobachten. Denn die haben meistens einen sehr klaren Nachteil uns Frauen gegenüber, sie rennen in die Stadt, weil sie Geschenke besorgen müssen – das natürlich immer auf den letzten Drücker – nur wissen sie gar nicht WAS sie eigentlich kaufen wollen. Diesen Anblick kann ich aber auch nur im Café sitzend genießen, wenn ich weiß, dass ich meine 7 Sachen alle beisammen habe.

Um dieser Situation so fern wie möglich bleiben zu können, fange ich seit diesem Vorfall, bereits sehr früh mit dem Weihnachtsshopping an. Aber für alle anderen soll dies ein gut gemeinte Warnung sein, denn wie ich heute morgen gelesen habe, bereiten sich die Amazon-Mitarbeiter auf Streiks im wichtigsten Geschäftsquartal des Jahres vor: die Weihnachtszeit. Verdi hat bereits Streiks beim größten Online-Händler der Welt angekündigt und will für die bundesweit rund 9000 Amazon-Beschäftigten in den neun deutschen Versandzentren einen Tarifvertrag auf dem Niveau des Versand- und Einzelhandels aushandeln. Angeblich gibt sich Amazon noch sehr gelassen, allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass diese Gelassenheit schnell ins Wanken gerät, wenn aus den den Logistikzentren Bad Hersfeld und Leipzig, keine Pakete mehr verschickt werden. Der Verdi-Vertreter, Heiner Reimann sagte in einem Interview mit dem Focus: „Ziel ist natürlich, dass Weihnachtspakete liegen bleiben“

Amazon orientiert sich bei den Verdiensten seiner Mitarbeitern am unteren Ende, der Konditionen, die in der Logistikbranche üblich sind. WENN die Mitarbeiter überhaupt direkt bei Amazon unter Vertrag stehen, denn jedes Jahr zur Hochsaison  wirbt Amazon Deutschland tausende Wanderarbeiter aus dem Ausland an. Die Arbeiter bekommen in ihrem Heimatland Verträge vorgelegt, die sie nach Deutschland locken, doch kaum hier angekommen, bekommen sie ihren Arbeitsvertrag nicht von Amazon, sondern von einer Leiharbeitsfirma, die viel schlechtern Lohn zahlt, als vorher versprochen wurde….

Dazu gab es bereits eine sehr interessante Dokumentation: „Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon“.

Wäre wirklich wünschenswert, wenn die Amazon-Mitarbeiter mit ihrem Streik nun endlich ein Eingeständnis von Amazon bekommen und künftig unter besseren Konditionen unsere Pakete packt!

Bestellt Eure Geschenke also rechtzeitig, ich bin schon mitten drin – und vielleicht gehe ich dieses Jahr doch nochmal in die Stadt – allerdings nur, um die gestressten Last-Minute-Einkäufern bei ihrer Hetzjagd zu beobachten, mit einem Becher heisser Schokolade vor mir!

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4 Gedanken zu “Der Online-Shopping-Riese

  1. Sollte es tatsächlich dazu kommen, dass die Amazonmitarbeiter auf die Straße gehen, woran ich noch nicht glaube, hoffe ich, dass es Amazon ordentliche Einbußen bringt. Wenn dadurch vermehrt Kunden zum Fachhandel bzw. in die Einzelhandelsgeschäfte in den Innenstädten abwandern, hat die Aktion durchaus eine gute Seite. Die Leidtragenden werden wie immer die Arbeitnehmer, die dringend auf ihren Job und ihr Gehalt angewiesen sind, sein. Verdi ist auch so ein Laden, bei dem ich das kalte kotzen kriege.

  2. Oh mein Gott! Die wollen Weihnachten lahmlegen! Aaaaahhhh…. naja… zum Glück gibt es noch genügend andere Online-Shop-Möglichkeiten. Ich werde mich dann in diesem Falle von Amazon fernhalten… und alternativ-Shops (von mir aus gerne auch ganz kleine-itzi-mini-Shops aufsuchen, bei denen dann Lieschen Müller sich freunt und was verdient) aufsuchen. Ich brauche eh nur ausgesuchte, witzige Kleinigkeiten, denn EIGENTLICH schenken wir uns zu Weihnachten nichts mehr… 🙂 Dir noch viel Spaß beim X-Mas-Shopping…

  3. Mein liebster WE hat mir dieses Jahr aufgetragen, ihn auf keinen Fall zu beschenken, sondern eine Spende ans Tierheim zu geben. Das finde ich ist, nach meinen letzten Erlebnissen, doch eine gute Idee. Meine Kids brauchen Geld und meine Neffen sind mittlerweile auch in dem Alter, in dem sie ein extra-Taschengeld gut gebrauchen können. Meine Geschwister und ich beschenken uns schon seit Jahren nur noch an den jeweiligen Geburtstagen. Für meine Freundinnen habe ich immer was in der Schublade. Sieht so aus, als müsste ich mich dieses Jahr weder ins Getümmel in der Innenstadt noch ins Online-Geschäft stürzen! Etwas seltsam finde ich das allerdings schon, muss ich gestehen. Hoffentlich geht nun Amazon wegen mir nicht pleite! 😉

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